Wenn die Seele wieder grünt


    Mit spitzer Feder …


    (Bild: zVg)

    Die ersten Frühlingsboten lächeln vor der Tür. Die Temperaturen steigen allmählich, die Tage werden länger, und alles wächst und gedeiht in den verschiedensten Farben. Die Tiere erwachen aus der Winterruhe, es beginnt langsam zu kriechen und zu fleuchen, und die Amsel trällert ihr Lied aus luftiger Höhe vom Baumwipfel.

    Und in meinem Kopf klingt eines meiner Lieblingsgedichte von Eduard Mörike:
    «Frühling lässt sein blaues Band
    wieder flattern durch die Lüfte;
    Süss, wohlbekannte Düfte
    streifen ahnungsvoll das Land.
    Veilchen träumen schon,
    wollen balde kommen. –
    Horch, von fern ein leiser Harfenton!
    Frühling, ja du bist’s! Dich hab ich vernommen!»

    Ich kann es kaum erwarten. Wie lange schon freue ich mich auf den Frühling! Frühling soll so sein, wie er in den Gedichten von Hermann Hesse oder Rainer Maria Rilke beschrieben wird und wie auf den Covern der Landmagazine: Vogelgezwitscher, Buschwindröschen, Leberblümchen, Temperaturen um die zwanzig Grad und dieser wunderbare, oft beschriebene Frühlingsduft. Der Frühling motiviert, lockt die Menschen aus den dunklen Stuben und dient als natürliche Energiequelle, indem er den Stoffwechsel durch Sonnenlicht, frische Luft und Bewegung aktiviert, die Frühjahrsmüdigkeit überwindet und die Produktion von Glückshormonen wie Serotonin anregt.

    Der März ist natürlich viel zu früh für das grosse Gartenkino. Da kann schliesslich noch einiges an Unwettern kommen bis Ende April. Aber haben wir nicht inzwischen gelernt, dass auf kalendarische Jahreszeiten kein Verlass mehr ist? Im vergangenen Jahr hatten wir doch auch wieder Sommer im Frühjahr und Herbst im Sommer. Drum sei es. Dennoch: Der Frühling gibt mir alle Jahre wieder neuen Antrieb und lässt mich aufblühen. Er erinnert mich an meine Kindheit und hat viele Parallelen mit den Wochen vor Weihnachten: wieder das sehnsüchtige Warten auf den Osterhasen, auf die warmen Temperaturen, auf das Blätterkleid der Bäume, auf das Summen der Bienen, den Windhauch im Blätterdach und dieses eigentümliche Klirren und Vibrieren – diese spezielle, energiegeladene Atmosphäre, gepaart mit dem wunderbaren Frühlingsduft. Der innere Juchzer, ein Kribbeln wie Verliebtsein, ein tiefer Zug Zuversicht. Ein Moment, den wohl nur wir Nordmenschen so erleben und geniessen können, weil er von erst zehrender, dann wohliger Sehnsucht begleitet wird. Ich liebe diese Stimmung so sehr, dass ich sie am liebsten das ganze Jahr über spüren würde. Sie beruhigt mein Nervensystem und lässt mich auf einem goldenen, glitzernden Regenbogen wandeln. Deshalb habe ich in meiner Wohnung zwei sogenannte Zwitscherboxen mit den Geräuschen eines typischen Frühlingswaldes installiert – himmlisch!

    Der Frühling hat aber auch sehr viel mit Warten zu tun. Die Natur schlägt nicht von jetzt auf gleich aus: Sie nimmt uns mit, erstaunt uns immer wieder aufs Neue, lässt aus braunem Nichts plötzlich grüne Patchworkdecken spriessen. Es ist, als recke und strecke man sich nach einer gut durchruhten Nacht – fühlt sich frisch und unbeschwert und auch noch ein bisschen wohlig verschlafen. Der Frühling ist für mich aber auch eine äusserst motivierende Kraft, da er jedes Jahr aufs Neue die Passionszeit mit Ostern und Pfingsten mit sich bringt. Er ist für mich der Beweis, dass der Glaube und die Präsenz der göttlichen Mächte der Dreieinigkeit nicht nur eine alte Verheissung aus Buchstaben sind, sondern eine wohltuende, erfahrbare Wirklichkeit. Der Glaube lebt dann mehr denn je – er ist spürbar, gibt Kraft und Hoffnung nach dem Motto: «Der Anfang ist das Ende und das Ende der Anfang.» Und so bringt mich der Glaube und die Trinität in seiner Herrlichkeit selbst zum Aufblühen.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen zauberhaften Frühling – mit offenen Augen für die Wunder der Natur, einem Herzen voller Vertrauen in die Liebe Gottes, einem feinen Gespür für die ersten warmen Sonnenstrahlen, für das Lächeln der Mitmenschen und eine grosse Portion Lebensfreude.

    Herzlichst,
    Ihre Corinne Remund
    Verlagsredaktorin

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