Die Briefmarke jubiliert

Das kleinste Wertpapier wird 175 Jahre alt

Im letzten Jahrhundert beherrschte die schweizerische PTT mit ihrem Staatsmonopol den Versand in der Schweiz und ins Ausland. 1848 wurde die Post und 1874 die Telegrafie zur Bundesaufgabe erklärt. 1878 wurde auch die Telefonie diesem Monopol unterstellt. Aber erst 40 Jahre später waren diese drei Sparten unter einem Dach vereint.

(Bild: © Beat Eglin www.presstime.ch) Frankatur: Von der Briefmarke zum Strichcode.

(Bild: © Beat Eglin www.presstime.ch) Frankatur: Von der Briefmarke zum Strichcode.

Die Post als Fernsehsender
Ab 1923 war die PTT auch verantwortlich für die Übermittlung von Radiosendungen und vor 65 Jahren kamen sogar die Fernsehsendungen dazu. Von der Gründung der SRG (Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft) im Jahre 1931 bis Ende der achtziger Jahre war die PTT für die Beschaffung und den Unterhalt der SRG-Studioeinrichtungen zuständig.

Nach immer stärkerer Kritik am Staatsmonopol wurde 1991 das Fernmeldegesetz verabschiedet. Gleichzeitig verstärkte sich die Konkurrenz durch nationale und internationale private Kurier- und Expressdienste. 1993 kam dann die Aufsplittung in einen Post- und einen Telecombereich. Fünf Jahre später erfolgte mit der Gründung der Swisscom AG die definitive Trennung der Telecomdienstleistungen von den übrigen Postdiensten. Auf dem Höhepunkt beschäftigte die PTT 1992 63’992 Personen und generierte einen Umsatz von 13 Milliarden Franken.

Eine Feier für die Briefmarke
Ohne Briefmarken konnte früher weder ein Brief noch ein Paket verschickt werden. Überall musste ein oder sogar mehrere dieser kleinen, bunten und mit Zacken versehenen Papierchen aufgeklebt werden. Die Rückseite war gummiert. Das war eine Substanz, die nach Befeuchtung klebrig wurde, damit die Wertmarke auf dem Papier haften blieb. Die meisten Leute verwendeten dazu ihre Zunge. Giftig war das Material nicht, es schmeckte aber nicht besonders gut. Es waren tierische Leime oder pflanzliche Stoffe wie Dextrin oder Gummi arabicum. Heute werden Kunststoffleime verwendet, die mit einem Deckblatt überzogen sind, das gleiche System wie bei Stickers.

Wer moderner sein will kann heute über die Homepage der Post seine eigenen Briefmarken gestalten, online bezahlen und diese ausdrucken. Ein Teil der Arbeit wird also an den Kunden verlagert. Ähnlich machen es Banken, die ihre Filialen und Schalter reduzieren und die Kunden über das Internet bedienen. Wann haben Sie das letzte Mal eine Briefmarke gekauft? Diese Raritäten gibt es nur noch am Postschalter oder per Versand. Die Markenautomaten, die nach Einwerfen von Münz eine entsprechende Briefmarke druckten, existieren schon lange nicht mehr. Für Geschäftskunden gibt es Aufkleber mit Strichcode. Dadurch lassen sich die Pakete im Internet verfolgen und man weiss immer den ungefähren Standort seiner Ware und den Empfangstermin. Man kann sich sogar einen Code aufs Handy schicken lassen, diesen auf den Brief schreiben, und schon hat man eine gültige Frankatur.

1843 wurden die ersten beiden Briefmarken herausgegeben. Es waren die Zürich 4 und 6. Die Schweiz war nach Grossbritannien das erste Land, welches das System der Portovorauszahlung einführte und gehört damit zu den Pionieren im Postwesen. Berühmtheit erlangte auch das «Basler Dybli» von 1845, auf das jeder Markensammler stolz ist, wenn er es in seiner Sammlung hat. Diese Marke hatte einen Wert von 2 ½ Rappen und man konnte damit Briefe bis 15 Gramm im Stadtgebiet von Basel verschicken. Die Auflage betrug 41’400 Exemplare. Geografische Motive, Persönlichkeiten, Pflanzen, schöne oder seltene Blumen, Tiere, Gebäude und vieles mehr waren die bunten Motive für die Kunstwerke im Miniaturformat. Oft wurden solche Marken wegen ihrer Schönheit oder Bedeutung gekauft, um dem Empfänger, vor allem wenn er im Ausland wohnte, eine ganz besondere Freude zu bereiten. Wer kennt nicht die Pro Juventute- oder Pro Patria-Briefmarken? Zum Porto wurde ein Zuschlag erhoben, der diesen Institutionen zugutekam. Auch Schüler hausierten damit, holten Bestellungen herein und bekamen durch den Verkauf noch einen Anteil in die Klassenkasse.

Sujets im Jubiläumsjahr
Obwohl immer weniger Briefmarken verkauft werden hält die Post die Tradition der Vielfältigkeit und Briefmarkenkunst immer noch aufrecht. Sammler haben ihre Abonnemente und erhalten jedes Jahr ein Album mit frischen und – je nach Wunsch – auch mit Ersttagsstempeln versehene Marken.

Beat Eglin

Im Jubiläumsjahr kommen diese Marken in den Verkauf:

  • 175 Jahre Schweizer Briefmarken (1.00 + 0.50)
  • Tiere des Waldes
  • 125 Jahre Schynige Platte-Bahn und Wengernalpbahn (1.00)
  • 100 Jahre Suva (1.00)
  • 60 Jahre Rheumaliga (0.85)
  • 75 Jahre Schweizer Berghilfe (1.00)
  • Swiss Olympic 2018 (1.00)
  • Kulturerbe 2018 (1.00)

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